ein Park-Erlebnis


Vor dem McGilvary-College gibt es mehrere große Parkplätze, die sich das College mit der Krankenpflege-Schule nebenan teilt. Nur liegt der Parkplatz ganz und gar in der Sonne, so dass sich das Auto durch die stundenlange Sonneneinstrahlung den Tag über bis abends in eine fahrende Sauna verwandelt hat.

Zum Glück gibt es auch beschatte Plätze unter einem Blechdach, die man allerdings mieten muss und es wird dann ein Schild angebracht, dass es "mein Parkplatz" ist. Und da fängt schon etwas an, was wahrscheinlich typisch deutsch ist: "mein Parkplatz", "meine Spur auf der Strasse", "mein Essen, das ich für mich bestellt habe", "meine Zeit", "mein ..."

Thai sehen das viel lockerer: Wenn man z.B. in einer Gruppe essen geht, bestellt jeder etwas und alles kommt in die Mitte des Tisches. Jeder isst von jedem Gericht und probiert mal hier mal da. Auch mit den Mittelstreifen und anderen Strassenmarkierungen (incl. rote Ampel) nimmt man es nicht immer so eng.

Und ... neulich stand tatsächlich ein anderes Auto auf "meinem" Parkplatz. Deutsch wie ich immer noch bin, war ich ziemlich verärgert. Es war nicht das erstemal, und sonst habe ich einfach woanders geparkt. Das Lebensmotto "mai pen rai" ("kein großes Ding", "Schwamm drüber" oder auch "macht nix") habe ich mir auch schon zu Eigen gemacht.

Aber warum auch immer, dieses Mal kam mir das "macht nix" nicht einfach so über Herz. Deswegen habe ich eine kurze, freundliche Nachricht geschrieben, dass das so nicht geht und dem anderen unter den Scheibenwischer geklemmt.

Den ganzen Tag schaue ich immer wieder einmal, ob das Auto noch da ist und der Zettel. Erst abends, als ich mich auf dem Heimweg mache, ist der Parkplatz leer.

Aber ich habe eine Nachricht auf meinem Handy: Eine Kollegin entschuldigt sich, dass sie das gemacht hat, will es auch nie wieder tun und will mir auch Geld geben, für den Schaden, den sie verursacht hat. Ich schreibe ihr, dass alles nicht so schlimm ist und dass ich auf keinen Fall Geld annehmen will.

Am nächsten Morgen gibt sie mir 20 Baht in einem Umschlag mit den Worten, du kannst ja auch snacks für die Studenten kaufen. Wir lachen beide, und so nehme ich an, dass es OK so ist. Als ich zum gemeinsamen Frühstück mit meinen Kollegen komme, sehen alle den weißen Umschlag und lachen, weil sie schon wissen, was geschehen ist. Ich lache natürlich mit.

Hieraus kann man viel lernen, oder weiterdenken.

• Wie gehe ich mit dem um, was "mir" gehört? Wie großzügig kann ich sein?

• Wie handhabe ich es, wenn andere bei mir eine Grenze überschreiten? (hier in Thailand ist es verpönt, andere zu kritisieren oder konfrontieren. Wer seinem Zorn freien Raum lässt, ist sofort "untendurch". Keiner nimmt einen mehr ernst, wenn man seine Gefühle nicht im Zaum halten kann. Thais lernen das von Kind auf.)  

• Wann und in welchen Bereichen kommt mir ein "macht nix" leicht von den Lippen, und wann schwer? Wo liegen meine Grenzen?